Das Schulwesen

 

 

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Letzte Aktualisierung:
28.05.2007

 

Trotz der erfreulichen Fortschritte, die die pädagogische Wissenschaft in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts machte, sah es mit dem deutschen Volksschulwesen in dieser Zeit unsagbar traurig aus.

Auf dem Lande gab es überhaupt keine Schule, weil die regierenden Fürsten für die Bildung des Volkes keine Mittel übrig hatten bzw. an der Bildung der unterdrückten Klassen uninteressiert waren.

 

In Preußen wurde die allgemeine Schulpflicht erst 1763 eingeführt. Zuvor ließen begüterte Eltern ihre Kinder durch Privatlehrer unterrichten.

 

In den thüringischen Staaten wurden allerdings schon 100 Jahre früher als in Preußen Volksschulen eingerichtet. Allerdings war der Unterricht damals sehr unregelmäßig. In den meisten Orten besuchten vorwiegend nur die Knaben im Winter den Unterricht.

 

Der Küster unterrichtete in seiner Wohnung oder reihum in den Bauernhäusern. Sehr häufig waren die Schulmeister hauptberuflich Handwerker. Die Schulzucht war hart und streng.

 

Am Ende des Dreißigjährigen Krieges befand sich in weiten Gebieten Deutschlands kaum eine Volksschule. Im Jahre 1780 wurde das 1. Lehrerseminar in Gotha gegründet. Es folgte ein 2. in Weimar, das 1788 von Herder reorganisiert wurde. Durch ihn nahm das Schulwesen einen bedeutenden Aufschwung. Er stellte diese Volksbildung in den Vordergrund und verstand es, trotz aller Anfeindungen und Widerwärtigkeiten seitens vieler Höflinge, seinen fortschrittlichen Standpunkt beim regierenden Fürsten Karl August von Weimar durchzusetzen. Besonders waren es klerikale Kreise, die ihn wegen seines fortschrittlichen Handelns häufig anfeindeten.

 

Seit jeher trägt die Schule als gesellschaftliche Institution hervorstehende Merkmale des Klassencharakters.

 

In der bürgerlichen Periode war der Charakter des Schulwesens ein rein bürgerlicher, da die herrschende Klasse, abgesehen von den feudalistischen Erscheinungen der 1. Periode ab 1633 in Wormstedt, das Großbürgertum und der Adel war. Der bürgerliche Staat hatte nur soweit Interesse an der Bildung und Erziehung der Jugend, wie es ihm genehm war.

 

Bis zum Jahre 1945 war es für ein Kind, das aus Arbeiter- und Bauernkreisen stammte, nur in den seltensten Fällen möglich, eine höhere Schulbildung zu genießen. Das Bildungsvorrecht des reichen Bürgertums gewährte nur den Söhnen und Töchtern der eigenen Klasse eine ausreichende Allgemeinbildung. Das ist auch in unserem Ort an Hand der Entwicklung der Schule nachweisbar. Die Masse der Jugend, Arbeiter- und Bauernkinder, wurde bis auf wenige Ausnahmen auf dem Lande in einklassigen Schulen und häufig nur von einer Lehrkraft unterrichtet, obwohl ein bedeutender Teil dieser Schüler ihren geistigen Fähigkeiten entsprechend Gymnasien und Universitäten hätte besuchen können.

 

Durch die Schulreform im Jahre 1945 wurde mit diesem Bildungsprivileg gebrochen, und ein jedes Kind hat nunmehr die Möglichkeit, sich nach seinen Fähigkeiten mit materieller Unterstützung des Staates ein hohes Wissen anzueignen.

 

Deshalb unterrichtet ab 1946 nicht nur ein Lehrer, sondern fünf, an der Wormstedter Schule. Das Wissen, das die frühere Klassenschule vermittelte, reichte bei weitem nicht aus, um den erforderlichen Bedarf an künftigen Facharbeitern und Wissenschaftlern zu decken. Nach der Verkündung des 2. Fünfjahrplanes musste sich unsere deutsche demokratische Schule wiederum der veränderten Lage in der Technik anpassen. Das rasche Fortschreiten auf allen Gebieten der Industrie verlangt Menschen, die ein Höchstmaß an Allgemeinbildung besitzen. Aus diesem Grunde ist die Erteilung des Fachunterrichts gegenüber dem Sachunterricht von früher und der planmäßige Aufbau der Mittelschule eine Notwendigkeit. Unsere deutsche demokratische Schule ist stolz darauf, dass in breiten Kreisen Westdeutschlands die Entwicklung unseres Schulwesens ihre gebührende Anerkennung findet.

 

 Über den Bau der Schulgebäude kann folgendes berichtet werden:

 

In einer Verfügung vom 16. Dezember 1700 wird angeordnet, dass mit dem Bau einer Schule in Wormstedt begonnen werden soll. Demzufolge kann angenommen werden dass die erste Schule 1701 erbaut worden ist, die jedoch bald nicht mehr ihren Erfordernissen in räumlicher Hinsicht entsprach. Im Jahre 1831, so berichtet eine alte Urkunde, wurde mit dem. Bau einer neuen Schule begonnen und am 10. Mai 1832 feierlich eingeweiht. Die Baukosten betrugen rund 1004 rth.

 

In der Zwischenzeit, also von 1832-1945, ist nichts für die Erweiterung der Schule in baulicher Hinsicht getan worden. Da im Jahre 1948 in Wormstedt 202 Kinder die Schule besuchten, sahen sich Lehrer und Gemeinderat genötigt, 3 weitere Schulräume zu gewinnen. U. a. wurde im Lehrerhaus durch Herausnehmen einer Wand ein breiter Raum gewonnen. Des weiteren schuf man in freiwilliger Arbeit durch den Ausbau des Malzbodens der alten Brauerei zwei weitere Klassenräume. Damit war auf einige Jahre vorgesorgt. Da sich durch die umliegenden Gemeinden und auch die Haltung der Gemeinde Utenbach der geplante Bau einer Zentralschule in Wormstedt zerschlug, wurde seitens der Gemeinde auf Antrag der Lehrer ein Neubau im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes geplant.

Zu diesem Zweck riss man die alte Brauerei ab, um an ihrer Stelle eine neue Schule erstehen zu lassen.

 

In unermüdlicher Arbeit haben die Einwohner Wormstedts etwa 23 000 Hand- und Gespannstunden für den Schulneubau geleistet.

 

Diese gesellschaftliche Arbeit hat einen Gesamtwert von etwa 40 000 DM.

Weitere 32 500 DM flossen dem Schulneubau aus Staatsmitteln zu. Aus Investitionsmitteln erhielt die Gemeinde 20 000 DM zur Anschaffung von Ausstattungsgegenständen. Neben dem Schulneubau wurden im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes eine Unfallhilfsstelle, neue Räume für das Bürgermeisteramt, ein Geräteschuppen u. a. geschaffen.