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Trotz der erfreulichen Fortschritte, die die
pädagogische Wissenschaft in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts machte,
sah es mit dem deutschen Volksschulwesen in dieser Zeit unsagbar traurig
aus.
Auf dem Lande gab es überhaupt keine Schule,
weil die regierenden Fürsten für die Bildung des Volkes keine Mittel übrig
hatten bzw. an der Bildung der unterdrückten Klassen uninteressiert waren.
In Preußen wurde die allgemeine Schulpflicht
erst 1763
eingeführt. Zuvor ließen begüterte Eltern ihre Kinder durch Privatlehrer
unterrichten.
In den thüringischen Staaten wurden allerdings
schon 100 Jahre früher als in Preußen Volksschulen eingerichtet. Allerdings
war der Unterricht damals sehr unregelmäßig. In den meisten Orten besuchten
vorwiegend nur die Knaben im Winter den Unterricht.
Der Küster unterrichtete in seiner Wohnung oder
reihum in den Bauernhäusern. Sehr häufig waren die Schulmeister
hauptberuflich Handwerker. Die Schulzucht war hart und streng.
Am Ende des Dreißigjährigen Krieges befand sich
in weiten Gebieten Deutschlands kaum eine Volksschule. Im Jahre
1780 wurde das 1.
Lehrerseminar in Gotha gegründet. Es folgte ein 2. in Weimar, das
1788 von Herder
reorganisiert wurde. Durch ihn nahm das Schulwesen einen bedeutenden
Aufschwung. Er stellte diese Volksbildung in den Vordergrund und verstand
es, trotz aller Anfeindungen und Widerwärtigkeiten seitens vieler Höflinge,
seinen fortschrittlichen Standpunkt beim regierenden Fürsten Karl August von
Weimar durchzusetzen. Besonders waren es klerikale Kreise, die ihn wegen
seines fortschrittlichen Handelns häufig anfeindeten.

Seit jeher trägt die Schule als
gesellschaftliche Institution hervorstehende Merkmale des Klassencharakters.
In der bürgerlichen Periode war der Charakter
des Schulwesens ein rein bürgerlicher, da die herrschende Klasse, abgesehen
von den feudalistischen Erscheinungen der 1. Periode ab
1633 in Wormstedt,
das Großbürgertum und der Adel war. Der bürgerliche Staat hatte nur soweit
Interesse an der Bildung und Erziehung der Jugend, wie es ihm genehm war.
Bis zum Jahre 1945
war es für ein Kind, das aus Arbeiter- und Bauernkreisen stammte, nur in den
seltensten Fällen möglich, eine höhere Schulbildung zu genießen. Das
Bildungsvorrecht des reichen Bürgertums gewährte nur den Söhnen und Töchtern
der eigenen Klasse eine ausreichende Allgemeinbildung. Das ist auch in
unserem Ort an Hand der Entwicklung der Schule nachweisbar. Die Masse der
Jugend, Arbeiter- und Bauernkinder, wurde bis auf wenige Ausnahmen auf dem
Lande in einklassigen Schulen und häufig nur von einer Lehrkraft
unterrichtet, obwohl ein bedeutender Teil dieser Schüler ihren geistigen
Fähigkeiten entsprechend Gymnasien und Universitäten hätte besuchen können.
Durch die Schulreform im Jahre
1945 wurde mit
diesem Bildungsprivileg gebrochen, und ein jedes Kind hat nunmehr die
Möglichkeit, sich nach seinen Fähigkeiten mit materieller Unterstützung des
Staates ein hohes Wissen anzueignen.
Deshalb unterrichtet ab
1946 nicht nur ein
Lehrer, sondern fünf, an der Wormstedter Schule. Das Wissen, das die frühere
Klassenschule vermittelte, reichte bei weitem nicht aus, um den
erforderlichen Bedarf an künftigen Facharbeitern und Wissenschaftlern zu
decken. Nach der Verkündung des 2. Fünfjahrplanes musste sich unsere
deutsche demokratische Schule wiederum der veränderten Lage in der Technik
anpassen. Das rasche Fortschreiten auf allen Gebieten der Industrie verlangt
Menschen, die ein Höchstmaß an Allgemeinbildung besitzen. Aus diesem Grunde
ist die Erteilung des Fachunterrichts gegenüber dem Sachunterricht von
früher und der planmäßige Aufbau der Mittelschule eine Notwendigkeit. Unsere
deutsche demokratische Schule ist stolz darauf, dass in breiten Kreisen
Westdeutschlands die Entwicklung unseres Schulwesens ihre gebührende
Anerkennung findet.
Über den Bau der Schulgebäude kann folgendes
berichtet werden:
In einer Verfügung vom 16. Dezember 1700 wird
angeordnet, dass mit dem Bau einer Schule in Wormstedt begonnen werden soll.
Demzufolge kann angenommen werden dass die erste Schule
1701 erbaut worden
ist, die jedoch bald nicht mehr ihren Erfordernissen in räumlicher Hinsicht
entsprach. Im Jahre 1831,
so berichtet eine alte Urkunde, wurde mit dem. Bau einer neuen Schule
begonnen und am 10. Mai 1832
feierlich eingeweiht. Die Baukosten betrugen
rund 1004 rth.
In der Zwischenzeit, also von
1832-1945, ist
nichts für die Erweiterung der Schule in baulicher Hinsicht getan worden. Da
im Jahre 1948
in Wormstedt 202 Kinder die Schule besuchten,
sahen sich Lehrer und Gemeinderat genötigt, 3 weitere Schulräume zu
gewinnen. U. a. wurde im Lehrerhaus durch Herausnehmen einer Wand ein
breiter Raum gewonnen. Des weiteren schuf man in freiwilliger Arbeit durch
den Ausbau des Malzbodens der alten Brauerei zwei weitere Klassenräume.
Damit war auf einige Jahre vorgesorgt. Da sich durch die umliegenden
Gemeinden und auch die Haltung der Gemeinde Utenbach der geplante Bau einer
Zentralschule in Wormstedt zerschlug, wurde seitens der Gemeinde auf Antrag
der Lehrer ein Neubau im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes geplant.
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