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Stobra
Germanische Volksstämme, insbesondere die Cherusker
oder die Herminduren, werden als Gründer einer ganzen Reihe uns eng
benachbarter Orte angesprochen.
Um 300 n. d. Zw. sollten diese Orte, zu denen auch
Stobra gehört, entstanden sein. An der früher viel befahrenen Straße von
Weimar nach Camburg zwischen Hermstedt und Kösnitz, liegt Stobra, fast 300 m
ü. d. M. Damals bestand nur ein Zugang in das kreisförmig um den Dorfplatz
angeordnete Dorf. Der Ausgang nach Apolda wurde erst 1733 angelegt und 1851
zum Fahrweg erweitert.
Der Rundweg um das Dorf ist vielleicht die Andeutung
einer früher vorhanden gewesenen Dorfmauer und des zugehörigen
Wassergrabens.
De Burggrafen von Kirchberg waren die ersten nachweisbaren Besitzer der Burg
und Herrschaft von Kapellendorf.
Weitere weltlich und geistliche Besitzer von Stobra waren die Ritter von
Isserstedt (1328), die Grafen von Schwarzburg und der Rat von Erfurt (1350,
Amt Kapellendorf). Natürlich dürfen die Klöster nicht fehlen. So war neben
dem schon erwähnten Heusdorfer Kloster auch das Kloster von Kapellendorf
Bodenbesitzer und Fronherr in Stobra.
In einer Urkunde aus dem Jahr
1380 wird als Zeuge ein
"Johann, messirsmet von Stobore" - Johann Messerschmidt von Stobra -
genannt. 1460
erscheint Stobra als "Storbe".
1580 kam das Amt
Kapellendorf - und somit auch Stobra - als Pfand an die Wettiner, die es
1667 endgültig in
Besitz nahmen. Von diesem Jahre an kam Stobra an das Herzogtum
Sachsen-Weimar.
Ab 1818
gehörte es dann zum Amt Dornburg und ab 1850
zum Amtsgerichtsbezirk Apolda.
Streitbare Bauern
Bei den im 15. und 16. Jahrhundert üblichen vielen Scharmützeleien war es
Sitte, dass sich die Gegner weit aus dem Wege gingen, um die dem Feinde
gehörenden Ort- und Liegenschaften möglichst ungestört brandschatzen zu
können. Dieser feigen Unsitte fielen auch einmal die Stobraer zum Opfer. Der
Graf von Gleichen
und andere ihm verbündete Edelleute hatten eine Fehde gegen Erfurt, zu dem
Stobra damals gehörte.
1482 fielen sie über
Stobra her und wollten an den völlig ahnungslosen Bauern ihr Mütchen kühlen.
Wider Erwarten wehrten sich die Stobraer recht kräftig und ließen dabei
sogar einen gegnerischen Hauptmann in das Gras beißen. Armselig bewaffnet
konnten die Bauern aber ihre Niederlage nicht abwenden. Der Ort wurde
vollständig geplündert und vier Bauern wurden als Gefangene mit
fortgeschleppt. Über ihr Schicksal ist nichts mehr bekannt geworden.
Leidensjahre
Im 30-jährigen Kriege hatte Stobra unter den Drangsalen der marodierenden
Soldateska vieles zu erdulden. Ein Bericht aus dem Jahre
1640 sagt aus, dass die
Soldaten "auch das Schulhaus" niedergebrannt hätten und die Bauern mangels
jeder Nahrung im Begriff waren, nach dem Vogtland auszuwandern. Einige
hätten das schon im Vorjahre getan.
1642 war kein Stück Vieh
mehr im Dorfe aufzutreiben. 17 Häuser waren von 76 Menschen bewohnt; 42
Wohnhäuser standen leer. 198 Acker waren bebaut, 761 lagen wüst. Der
damalige Pfarrer aus Hermstedt, August Kromyer,
berichtete klagend:
"Die Kirchhäuser zur Hermstedt und Stobra haben ein
sehr wüstes und erbärmliches Aussehen. Denn nicht allein haben die Soldaten
vor 6 Jahren in denselben alle Stühle verbrannt und zu Asche gemacht, dass
die Leute sich auf Steinen behelfen müssen, sondern sind auch die Dächer an
beiden Orten meistenteils offen, dass das Wasser, wenn es regnet, mit Gewalt
herabfließt..."
Im Jahre 1774
brannte das ganze Dorf ab, nur die Kirche blieb erhalten. Beim Neuaufbau
wurde die alte Form des Dorfes wieder hergestellt.
Aber da bedrückten noch andere, härtere Lasten die Schultern der Bauern. So
nach und nach hatten die früheren "Herrn" eine Frone nach der anderen den
Stobraern aufgehalst. Nur 16 Anspänner durften im Dorf sein. Diese hatten
für das ehemalige Klostergut Kapellendorf die Bewirtschaftung einer
unbestimmten Anzahl Äcker zu versehen. Es lag nun ganz bei der
Klostergutverwaltung, wie oft die Bauern mit ihrem Fuhrwerk zum Frondienst
herangezogen wurden.
1821 wurden die Bauern
davon erlöst. 1828
fiel die "Baufrone" und 1834
die "Holzfrone" weg. Außerdem hatten 10 (!) verschiedene Kammergüter in der
Flur von Stobra das Triftrecht. Die Ablösung zog sich bis
1864 hin.
1851 erfolgte auch
endlich die Ablösung der Lehens- und Erbzinsen.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Dorf
zusehends. 1868
wurde die alte Emporenkirche (außer dem Turmteil) völlig abgerissen und
durch ein neues Schiff ersetzt. Bereits 1855
war die Orgel renoviert worden.
Der 1. Weltkrieg
kostete 12 Stobraern das Leben. Aus dem 2.
Weltkrieg kehrten 15 Stobraer nicht mehr
zurück.
Nach Ende des 2. Weltkrieges kam es auch in Stobra -
beginnend mit Druschgemeinschaften - im Jahr
1959 zur Bildung der LPG der Typen I, II und
III.
Ende der 60er Jahre wurde
Stobra zu einem "Rosendorf". (Die Frauen Stobras hatten vor ihren Häusern
Rosenbepflanzungen zum 20. Republikgeburtstag angelegt.)
Auch die Feuerwehr
von Stobra feiert ihr 100-jähriges Jubiläum.
Allerdings finden sich im Kreisarchiv bereits Aufzeichnungen über die Bau-
und Feuerpolizei ab dem Jahr 1836. 1933 hatte die Feuerwehr 30 Mitglieder,
besaß eine Motorspritze und ein Musterspritzenhaus, von denen es damals in
Thüringen nur 3 Stück gab. |